Dass es Regeln für deine Freizeit braucht ist klar. Wo funktioniert das Zusammenleben schon ohne Regeln? Bei der Formulierung solltest du aber beachten, dass sie positiv formuliert sind. Positive Regeln erlangen mehr Zustimmung als reine Verbote. Darüberhinaus ist die Transparenz wichtig: Warum gibt es die Regeln? Wieso ist etwas verboten? Was passiert, wenn wir uns nicht daran halten?

Nicht jede Regel muss aufgeschrieben sein: Routine

In der Pädagogik unterscheidet man beim Klassenmanagement zwischen Regeln, die explizit festgelegt werden und Routinen, die implizit festgelegt sind. Routinen sollen Unterrichtsstörungen schneller beseitigen, in dem die Schüler*innen von anfang an wissen, wie sich zu verhalten haben. Bestes Beispiel: Toilettengang. Während man für das Melden, Drannehmen, Fragen und Erlauben “viel” Zeit braucht und der Unterichtsfluss gestört wird geht es mit Routinen schneller: Die Schüler*Innen melden sich mit überkreuzten Fingern, die Lehrkraft sieht es, nickt und der Unterricht geht weiter. Niemand außer den beiden, hat davon was mitbekommen.

Auch für Freizeiten sind solche Routinen sinnvoll, damit nicht alles explizit als Regeln aufgeschrieben werden muss. Denn es ist auch so: Was aufgeschrieben steht, muss befolgt werden. Bei Missachtung muss das Fehlverhalten bestraft werden. Alles andere wäre ungerecht und willkürlich. Routinen erlauben Spielraum, denn zwischen “Unpünktlich zum Spüldienst gekommen” und “Geprügelt im Zimmer” sind klare Unterschiede. So wissen auch die Leiter*innen wo sie konseqeunt handeln müssen und wo sie auch mal “ein Auge zudrücken” können.

Hier folgt nun ein Beispiel an Regeln, das sich bewährt hat.

Regeln für die Freizeit

  • Wir sind respektvoll und lieb zu einander.
  • Wir sind eine Gemeinschaft. Niemand wird ausgeschlossen[1].
  • Wir sind pünktlich und nehmen am ganzen Programm teil.[2]
  • Wir halten uns an das, was die Leiter*Innen sagen[3]
  • Wir treten eingeteilte Dienste ohne Aufforderung an.
  • Wir beginnen[4] und beenden die Mahlzeiten gemeinsam[5].
  • Es gibt Räume, da dürfen Teilnehmer*Innen nicht rein.
    • Die Küche ist tabu. Wir betreten sie nur für unseren Dienst.
    • Der Leitungsrundenbereich (Leitungsrunden-Raum, Materiallager, deren Schlafzimmer und deren WC/Dusche) ist tabu.
  • Wir bleiben auf unserem Gelände[6]. Erst nach Absprache mit der Tagesleitung und nur zu dritt[7] dürfen wir das Gelände verlassen.
  • Wir halten die Nachtruhe[8] ein.
  • Wir zerstören nichts absichtlich. Falls was kaputt geht, bitte sofort melden.
  • Wir stehlen nicht.
  • Wir halten alles sauber.
  • Wir lassen unser Handy / Smartphone im Zimmer (wenn sie überhaupt dabei sind).
  • Wir klopfen an[9], bevor wir in ein anderes Zimmer gehen.
  • Wir tragen wettergemäße Kleidung, bei starker Sonne eine Mütze und feste Schuhe, wenn wir draußen sind.
  • Wir brauchen keine elektronischen Spielgeräte. Sie bleiben im Koffer!
  • Wir halten nichts von Alkohol, Nikotin und andere Drogen. Sie sind verboten.

wer sich nicht an die Regeln hält, muss mit vorzeitiger Abholung / Heimfahrt auf eigene Kosten rechnen.


[1] Diskriminierendes, Rassistisches, Sexistisches und allgemein Schimpfwörter sind tabu
[2] Durch die Glocke oder den Lagerjingle werden wir gerufen.
[3] Es wird auch nicht beim nächsten Leiter angezweifelt.
[4] mit einem Gebet durch die Teilnehmer. Vor dem Essen aber erstmal Hände waschen!
[5] Alle stellen ihre Teller zusammen und räumen ab. Der Spüldienst geht in die Küche.
[6] Das Gelände wird am Anfang der Freizeit erklärt.
[7] Wenn sich einer der drei verletzt. Kann einer da bleiben und sich um den Verletzten kümmern, während der andere Hilfe holt.
[8] Nachtruhe ist nach der Gute-Nacht-Geschichte.
[9] und warten auf das OK, dass wir eintreten dürfen.

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Was davon ist Routine? Was sind Regeln?

In dem Beispiel sind folgende Punkte eher als Routine zu betrachten:

  • Wir sind pünktlich und nehmen am ganzen Programm teil.
  • Wir treten eingeteilte Dienste ohne Aufforderung an.
  • Wir beginnen und beenden die Mahlzeiten gemeinsam
  • Wir lassen unser Handy / Smartphone im Zimmer (wenn sie überhaupt dabei sind).
  • Wir tragen wettergemäße Kleidung, bei starker Sonne eine Mütze und feste Schuhe, wenn wir draußen sind.
  • Wir brauchen keine elektronischen Spielgeräte. Sie bleiben im Koffer

Für all diese Punkte und für viele mehr kann man einfache Handzeichen, feste Zeiten und Rituale erschaffen, damit sowohl die Teilnehmer*innen als auch die Leiter*innen genau Bescheid wissen.

Überlegt als Leitungsrunde welche Sachen ihr routinieren wollt.

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